Lehrer(innen)Bild

„…unbewußt lehren wir (Lehrerinnen und Lehrer) immer, wer wir sind“

Ich arbeite seit mehr als drei Jahrzehnten in der Lehrerausbildung und leitete seit 2004 bis April 2015 das „Seminar für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen“ am Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung (früher: Studienseminar für Lehrämter an Schulen) in Siegen.

Dieses Seminar organisiert, gestaltet und verantwortet die zweite Ausbildungsphase der Lehrerinnen und Lehrer, die an allgemeinbildenden Schulen mit gymnasialer Oberstufe arbeiten wollen. Die Kooperationspartner bei der Lösung dieser Aufgabe sind demgemäß die neunzehn Gymnasien, drei Gesamtschulen und drei Weiterbildungskollegs der Region (der Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe).  Es bildet für eine vielfältige und facettenreiche Schullandschaft und eine heterogene Schülerschaft aus, das wird bereits beim näheren Blick auf die Ausbildungschulen deutlich: das Spektrum reicht  von der großstädtischen Gesamtschule und dem großstätdischen Gymnasium bis zum Gymnasium in privater Trägerschaft im idyllischen Sauerland, das Schüler- bzw. Studierendenklientel reicht vom zehnjährigen Fünftklässler bis zum Erwachsenen mit abgeschlossener Berufsausbildung, der noch  weiterführende Schulabschlüsse erreichen will. Die Region ist also Spiegelbild des Situation im Lande Nordrhein-Westfalen.

Die zentrale Aufgabe des Seminars besteht  darin, die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer auf ihre Arbeit in diesem breiten und differenzierten Feld vorzubereiten, ihnen Erfahrungen in diesem Feld zu ermöglichen, sie bei diesem Prozess konkret zu begleiten, mit ihnen gemeinsam diese Erfahrungen zu reflektieren und ihnen Möglichkeiten zu eröffnen, ihren Professionalisierungs-prozess selbstreflexiv und eigeninitiativ zu  gestalten und ihre beruflichen Handlungskompetenzen in einem (berufs-)lebenslangen Prozess aktiv weiterzuentwickeln. Dieser Aufgabenbeschreibung zugrunde liegt das Bild von einer (zukünftigen) Lehrerin / einem Lehrer, die / der kompetent und sicher in ihren / seinen Fächern, darüberhinaus und vor allem aber  auch Expertin / Experte für „Lernen“ ist, also Experte für die Beantwortung von Fragen wie: „unter welchen Bedingungen lernen Menschen wirklich nachhaltig und am besten?“  „Wie kann ich, wie kann Schule den unterschiedlichen Lerntypen gerecht werden?“ „Wie kann der Einzelne in seinem Lernen am besten gefördert und gefordert werden?“

An der Wand über dem Schreibtisch in meinem Büro hängen zwei „Sprüche“, die Botschaften an Lehrerinnen und Lehrer enthalten (und Arbeiten des niederländischen Erziehungswissenschaftlers und Psycholgen Fred Korthagen entlehnt sind); ich habe sie aufgehängt, weil ich denke, in ihnen wird das „LehrerSein“, werden die Bilder von der Lehrerin / dem Lehrer und von ihrer / seiner Arbeit auf den Punkt gebracht:

„Bewußt lehren wir, was wir wissen,

unbewußt lehren wir, wer wir sind“

 

„Die Hauptfrage der Didaktik ist: 

wie kannst du das eigene Denkvermögen deiner Schüler und Studierenden

 produktiv werden lassen?“ 

 

Die hohe Bedeutsamkeit und Wichtigkeit des Kerngedankens des zweiten Zitates erklärt, warum in den letzten Jahren in deutlich zunehmendem Maße Ideen des Konzeptes des „cooperative learning“ (Norm Green und andere) in meiner und unserer Ausbildungsarbeit in Seminar und Schule Einzug gehalten haben, Ideen, die in den Vordergrund stellen: Schüleraktivität, konstruktive Zusammenarbeit unter den Lernenden, Verantwortung für das eigene Lernen sowie Verantwortung für die Lernprozesse und Ergebnisse der Gruppen, in und mit denen man arbeitet und lernt.

 

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